• Julian Hallet

Was Du vor Deinem nächsten Soja-Einkauf wissen solltest

Gerade zur Anfangszeit der pflanzlichen Ersatzprodukte kam man als Vegetarier oder Veganer kaum an Soja vorbei. Ob Sojamilch, Tofu oder Joghurt, alle Produkte waren bereits vor Jahren etabliert und bei zahlreichen Lebensmitteleinzelhändlern erhältlich.


Mittlerweile gibt es zwar eine Vielzahl an alternativen pflanzlichen Proteinen, Soja gehört jedoch immer noch zu den Spitzenreitern.


Dennoch ist Soja im Laufe der Zeit immer weiter in Verruf geraten, und gilt nicht mehr als das gesunde Ersatzmittel tierischer Produkte, dass es früher mal war. Zahlreiche Artikel wie „Die Sojalüge – Warum Soja ungesund ist“, die die Bohne als Auslöser für Mangelernährung, Verdauungsprobleme, Fruchtbarkeitsstörungen etc. bezeichneten tauchten immer öfter auf. Daher bekommst du in diesem Artikel alle Fakten die du brauchst, um zu entscheiden ob Soja gut oder schlecht für dich ist.


Warum ist Soja so populär?


Soja lässt sich nicht nur vielseitig einsetzen, sondern gilt auch als hervorragende Proteinquelle. Ganz besonders überzeugt die Sojabohne durch ihre Reichhaltigkeit an Nährstoffen. Dazu zählt unter anderem ihr hochwertiger Eiweißanteil. Alle wichtigen Eiweißbausteine sind in der Bohne enthalten, darunter auch essentielle Aminosäuren die der Körper teilweise selber nicht herstellen kann, weswegen Soja in Hinblick auf die Eiweißqualität mit tierischen Proteinen mithalten kann.


Der ökonomische Aspekt spielt natürlich auch eine Rolle, denn Soja ist für Unternehmen aufgrund der günstigen Herstellungsweise und der enormen "Range" an Produkten besonders attraktiv. Des Weiteren dient die Sojabohne als Lieferant von zahlreichen ungesättigten Fettsäuren, Ballaststoffen, B-Vitaminen, Eisen, Magnesium und Zink. Tofu enthält 5,4 Gramm Eisen pro 100g, während dieselbe Menge an Rindersteak nur etwa 1,9 bis 2,6 Gramm beträgt.



Woher stammt das meiste Soja?

In etwa die Hälfte aller geernteten Sojabohnen haben ihren Ursprung in Südamerika. In den warmen Klimazonen hat die Bohne nämlich perfekte Voraussetzungen um zu wachsen. Dort wird Soja meist in gigantischen Monokulturen angebaut, wo einst Regenwälder oder Savannen waren. Insgesamt 65% der abgeholzten Flächen in Brasilien dienen zwar erst einmal der Rinderhaltung, da das Land großer Fleischexporteur ist, die Bepflanzung der Futterpflanze Soja ist jedoch oftmals der zweite Schritt.


Baut man Soja an, ist das grundsätzlich überhaupt nicht umweltschädlich. Die Pflanze an sich ist sogar im Stande, den Stickstoffhaushalt des Bodens nach starker Bewirtung wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Als Problem kann sich der Sojaanbau dort darstellen, wo Grünflächen wie Regenwälder und Grasflächen zum Opfer fallen, und stattdessen große Monokulturen von genveränderten Sorten entstehen.


Ein Großteil der Produzenten und Lieferanten von Sojaprodukten für den deutschen Markt achtet jedoch auf einen möglichst nachhaltigen, gentechnikfreien Anbau, und bezieht Soja aus EU-Ländern, zum Teil aber auch aus Nordamerika und China.

Somit ist für unsere Produkte also oftmals kein Regenwald gefährdet.





So nachhaltig ist Soja wirklich


Die Anbauflächen von Soja sind insgesamt so groß wie die Summe von Frankreich und Deutschland. Millionen von Hektar gewinnen die Sojabauern durch radikale Abholzung oder aus Savannen, durch die relevante Lebensräumen für viele Tier- und Pflanzenarten verschwinden.


Der größte Nachteil an den riesigen Monokulturen sind die Pestizide die beim Anbau eingesetzt werden, welche langfristig den Boden zerstören und das Grundwasser verunreinigen.


Ein weiterer Punkt sind die chemischen Herbizide die Bauern einsetzen um das Saatgut gentechnisch zu verändern. Mit der Zeit werden die Unkräuter die durch die Herbizide verhindert werden sollen jedoch immer resistenter und passen sich an, weswegen den angebauten Sojabohnen immer mehr Chemikalien (teilweise auch giftige) gespritzt werden, um mögliche Angreifer zu verhindern.



Soja als Tierfuttermittel vs. Soja als Nahrungsmittel für Menschen


Der Großteil des weltweiten Sojas findet seinen Nutzen im Tierfutter. 70% bis 75% der weltweiten Sojaproduktion werden zu Schrot bzw. Sojamehl weiterverarbeitet und für die industrielle „Tierproduktion“ verwendet. Das Schrot war ursprünglich Nebenprodukt der Sojaöl-Herstellung, ist mittlerweile jedoch das lukrativere Produkt, da circa 80% von einer Tonne Soja zu Schrot für die Tierproduktion weiterverarbeitet werden. Das wenige Öl was produziert wird, findet in Lebensmitteln wie Margarine, aber auch immer mehr als Agrotreibstoff Verwendung.


Das zeigt, dass nur ein winziger Bruchteil der Sojaernte in die Lebensmittelherstellung von Produkten wie Tofu oder pflanzlicher Milch fließt.


Bislang spielt das Thema Tierfütterung keine große Rolle in der öffentlichen Diskussion, und es wird so gut wie ausschließlich über die Tierhaltung diskutiert. Dabei wird unbeachtet gelassen, dass dieses Themenfeld große Relevanz für unseren ökologischen Fußabdruck besitzt, wenn man sich mal anschaut unter welchen Bedingungen und wie das Futter in den Produzentenländern hergestellt wird.



Wie gesund ist Soja wirklich?


In der Kritik stehen immer wieder die Pflanzenstoffe (Isoflavonen) die in der Sojabohne enthalten sind, und dem Sexualhormon Östrogen ähneln. Diese können sowohl zellschützend sowie krebsfördernd wirken – die Studienlage ist hier jedoch derzeit noch unklar, da der positive Effekt bislang nur in asiatischen Ländern nachgewiesen werden konnte. Da die heilende Wirkung also bislang noch umstritten ist, empfiehlt das Bundesinstitut für Risikoforschung Säuglingen und Kleinkindern keine Sojamilch zu verabreichen. Außerdem sollte man als Erwachsener täglich maximal 25 Gramm Sojaprotein zu sich nehmen, was ungefähr 300 Gramm Tofu oder 800 Milliliter Sojamilch entspricht.


Oftmals steht Soja auch in der Kritik aufgrund der in der Bohne enthaltenen Lektine. Erhitzt man die Sojabohne werden die Lektine jedoch automatisch inaktiviert und unschädlich gemacht, weswegen Tofu, Sojamilch, Tempeh oder Miso quasi frei von Lektinen sind. Auch wenn die Sojabohne bislang noch nicht als Wundermittel belegt werden konnte, gilt der Verzehr für gesunde Erwachsene als unbedenklich.



Worauf beim Kauf von Soja achten?


Als Faustregel für Sojaprodukte gilt: je weniger Inhalts- und Zusatzstoffe desto besser. Es ist oftmals nicht nötig, dass Zusatzstoffe wie künstliche Aromen oder Zucker in Sojaprodukten vorkommen. Zudem ist es empfehlenswert auf Bio-Qualität bzw. Bio-Soja zu achten.


Sollte man die Möglichkeit haben Sojaprodukte aus regionaler Herkunft oder aus Europa zu beziehen, sollte man sich immer für diese Option entscheiden. Diese müssen nämlich nicht per Flugzeug oder Frachtschiff transportiert werden, und der CO2 Verbrauch ist dementsprechend geringer. Außerdem ist Soja aus Ländern wie Südamerika wie bereits erwähnt generell problematisch, da für den Anbau große Flächen des Regenwaldes abgeholzt werden, und die angebauten Sojabohnen genmanipuliert sind.



Beispiele für gute Sojaprodukte

Die Vielfältigkeit der Sojabohne wird vor allem erkenntlich wenn man sich die breite Spanne an Ersatzprodukte anschaut die existieren.



Tofu

Tofu basiert ebenfalls auf der Sojabohne und kann aufgrund seines neutralen Geschmacks in vielen Gerichten Verwendung finden. Von Tofu gibt es bereits zahlreiche verschiedene Varianten, wie Seiden- oder Räuchertofu, welche sich in Geschmack und Konsistenz unterscheiden.





Milch

Sojamilch ist neben Tofu der Klassiker unter den Sojaprodukten. Man sollte beim Kauf jedoch unbedingt einen Blick auf den Zuckergehalt werfen, der in vielen Produkt unnötig hoch ist. Daher ist es empfehlenswert auf ungesüßte Sojamilch zurückzugreifen.



Hühnerfleisch Like Chicken ist ein Ersatzprodukt für Hühnerfleisch basierend auf Bio Soja. Das Produkt ist rein pflanzlich, reich an Proteinen, glutenfrei und basiert auf gentechnikfreiem Soja. Overall ein gutes Produkt, was nicht nur gut schmeckt, sondern auch gesund ist.

Hackfleisch

Die Rügenwalder Mühle spezialisiert sich als deutscher Vorreiter seit einigen Jahren auf die Herstellung veganer Produkte und hat ihr Sortiment bereits so ersetzt, dass der Großteil der Produkte pflanzlich ist. Teil des Sortiments ist unter anderem pflanzliches Hackfleisch, welches auf Soja basiert. Mit einem Eiweißanteil von 18g pro 100g ebenfalls ein gutes Fleischersatzprodukt.



Fazit: Ist Soja empfehlenswert oder nicht?


Sucht man eine gute Alternative für Fleisch, die außerdem den Nährstoffbedarf deckt und reich an Proteinen ist, ist man bei Soja grundsätzlich gut aufgehoben. Dennoch sollte man beim Kauf stets einen Blick auf die Zutatenliste werfen und die Häufigkeit sowie Menge des eigenen Sojakonsums im Auge behalten. Produkte die aus regionalem oder nachhaltigem Anbau stammen, können guten Gewissens im Einkaufwagen landen. Die Hauptproblematik an Soja ist also eher der hohe Anteil der als Futter verarbeitet wird. Dem kannst du jedoch entgegenwirken, indem du deinen Fleischkonsum reduzierst ;)






Quellen:

  • https://blog.lavita.de/soja/

  • https://utopia.de/ratgeber/soja-sojabohnen-pflanzlich-ernaehren/

  • https://www.stern.de/gesundheit/soja-lebensmittel--wie-gesund-ist-soja--3246550.html

  • https://albert-schweitzer-stiftung.de/aktuell/warum-sojawurst-nicht-dem-regenwald-schadet

  • https://www.agrarheute.com/markt/marktfruechte/rekord-anbau-soja-deutschland-548171#:~:text=Die%20Anbaufl%C3%A4che%20von%20Sojabohnen%20hat,sind%20Bayern%20und%20Baden%2DW%C3%BCrttemberg.&text=Der%20Schwerpunkt%20des%20deutschen%20Sojaanbaus,%2DW%C3%BCrttemberg%20(7.300%20ha).

  • https://www.keine-gentechnik.de/dossiers/soja/

  • http://www.gesundheitsweblog.de/tofu-im-supermarkt-kaufen-worauf-achten/#:~:text=Die%20Haltbarkeit%20%E2%80%93%20je%20l%C3%A4nger%20die,und%20die%20Struktur%20seidig%20ist

  • https://proveg.com/de/ernaehrung/pflanzliche-alternativen/vielfalt-sojaprodukte/

  • https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Wie-gesund-ist-Sojawirklich,soja120.html#:~:text=Gesunde%20Inhaltsstoffe&text=Sie%20sind%20reich%20an%20mehrfach,allem%20Vegetariern%20als%20hochwertige%20Proteinquelle.



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