• Julian Hallet

Was Du vor Deinem nächsten Garnelen-Einkauf wissen solltest

Updated: Jul 27

Was sind wir mittlerweile doch gut informiert über die Herkunft unserer Fleisch- und Milchprodukte! Doch wie steht es eigentlich um Deine Kenntnisse zu Fisch und Meeresfrüchten?


Ehrlicherweise habe ich mir dazu bis vor einem Jahr auch noch keine allzu großen Gedanken gemacht. Meinen Fleischkonsum hatte ich zu dieser Zeit bereits drastisch reduziert und ernährte mich nahezu vegetarisch. Fisch und Meeresfrüchte standen jedoch noch regelmäßig auf meinem Speiseplan.


Wieso das mittlerweile nicht mehr der Fall ist und worauf Du achten solltest, wenn Du einen Beitrag zu einem Happy Ocean leisten möchtest, erklären wir Dir in diesem Artikel.





Reinen Tisch machen mit Aquakulturen


Die Aquakultur zählt mit einer Steigerungsrate von 9% jährlich zu dem am schnellst wachsenden Zweig der weltweiten Ernährungswirtschaft und ermöglicht die kontrollierte Produktion von Meerestieren durch den Einsatz von Teichen, Kreislaufanlagen, Netzgehegen und Tidebereichen.


Hört sich doch eigentlich ganz vernünftig an oder? In vielen Fällen bedeutet das jedoch leider nichts anderes als Massentierhaltung unter Wasser und Zerstörung von Ökosystemen.


In den letzten 40 Jahren sind dadurch 3,6 Millionen Hektar Land verloren gegangen.

Das entspricht in etwa der Fläche von Taiwan. Um Zuchtbecken für Garnelen anzulegen, werden hektarweise Mangrovenwälder abgeholzt, welche zu den wertvollsten Ökosystemen unseres Planeten zählen. Allein auf den Philippinen wurden dadurch bereits zwei Drittel der Mangrovenwälder ausgelöscht.


Die Tiere in solchen Zuchtbecken leben auf engstem Raum zusammen und schwimmen in ihren eigenen Fäkalien und Futterresten. Um Krankheitserreger in Schach zu halten, kommen Antibiotika, Desinfektionsmittel und Pestizide zum Einsatz, welche von den Tieren aufgenommen werden und zudem ungefiltert ins Grundwasser und Meer gelangen.



© Food and Agriculture Organization of the United Nations



Wildfang als bessere Alternative?


Leider nein. Da Garnelen mit Grundschleppnetzen gefangen werden, wird der Meeresboden in Mitleidenschaft gezogen, wodurch irreparable Schäden an Korallen entstehen. Eine weitere Konsequenz dieser Technik ist der hohe Anteil an Beifang, da ein Netz logischerweise nicht zwischen Krustentieren und anderen Meeresbewohnern unterscheiden kann.


Somit kommen auf 1 kg Garnelen 4-5 kg andere Meerestiere

Beim kommerziellen Fischfang kann man davon ausgehen, dass zwei von fünf Meerestieren ungewollter Beifang sind, welche in großen Teilen verenden bevor sie einfach wieder über Bord geworfen werden.



© Ramon Benedet



Was Du tun kannst um eine Verbesserung zu bewirken


🐳 Achte auf Siegel und Herkunft


Zum jetzigen Zeitpunkt stammen ca. 75% der Produkte nicht aus nachhaltiger Produktion, was dazu geführt hat, dass ein Drittel unserer Ozeane überfischt und 60% der Bestände in Gefahr sind. Um die 25% der nachhaltig produzierten Produkte ausfindig zu machen, kannst Du bei deinem Einkauf auf das MSC (nachhaltiger Wildfang) und ASC (nachhaltige Aquakultur) Siegel sowie auf Bio-Qualität achten. Diese Siegel bedeuten allerdings nicht, dass kein Beifang oder keine Abholzung entsteht, sondern lassen lediglich auf eine bessere Kontrolle und die Reduzierung von Umweltschäden schließen. #suboptimal


🍽️ Im Zweifel lieber verzichten


Wenn Dir bei dem Restaurantbesuch nicht erklärt werden kann, woher die Garnelen in Deinem gewünschten Gericht stammen, solltest Du Deine Bestellung vielleicht noch einmal überdenken und darauf verzichten. Somit tust Du nicht nur Deiner Gesundheit etwas Gutes sondern auch der Umwelt. Qualität hat eben ihren Preis. Ein Restaurant was wirklich nachhaltig agieren möchte, kann sich dieses Feedback zu Herzen nehmen, zukünftig besser informiert sein und möglicherweise sogar seine Bezugsquelle wechseln. #bethechangeyouwanttosee


🌱 Greife auf pflanzliche Alternativen zurück


Auf dem US-amerikanischen Markt gibt es bereits pflanzliche Garnelen, die nah an das Original herankommen. Der deutsche Markt steckt diesbezüglich zwar noch in den Kinderschuhen, aber es zeichnet sich ein klarer Trend für einen Zuwachs an authentischen Alternativen zu Fisch und Meeresfrüchten ab. Unsere Happy Ocean Garnelen wird es bspw. bereits Mitte August in einem Münchener Restaurant zu verkosten geben und im Anschluss ist der Eintritt in den Einzelhandel geplant. #happyoceanhappyyou


Hoffentlich kannst Du nun besser nachvollziehen wieso es so wichtig ist unser Konsumverhalten hinsichtlich Fisch und Meeresfrüchten genauso kritisch zu hinterfragen, wie Du es vielleicht bereits für Fleisch- und Milchprodukte tust. In Anbetracht des Zuwachses an Aquakulturen und Überfischung können wir einfach nicht länger tatenlos zusehen.


Lasst uns die Industrie daher gemeinsam umkrempeln, indem jeder von uns einen kleinen Teil dazu beiträgt das ökologische Gleichgewicht in unsere Meere zurückzubringen. Denn nachdem Du ja jetzt gut informiert bist und weißt was es zu beachten gilt, gibt es keine Ausreden mehr! 😉







Quellen:


-Aquakulturen: WWF (2018), Ist Aquakultur die Lösung?, https://www.wwf.de/themen-projekte/meere-kuesten/fischerei/nachhaltige-fischerei/aquakulturen/

-Zucht: PETA(2015), 10 Gründe, keine Shrimps zu essen, https://www.peta.de/shrimps

-Beifang:WWF(2019), Beifang: Grausames Sterben für eine Handvoll Shrimps, https://blog.wwf.de/beifang-shrimps/

-Zertifikate: Certification and Ratings (2019), Sustainable Seafood A Global Benchmark, https://certificationandratings.org/wp- content/uploads/2019/03/Sustainable-Seafood-A-Global-Benchmark.pdf



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