Warum illegale Fischerei so ein großes Problem darstellt


Unsere Ozeane bedecken 70% des gesamten Planeten und sorgen für Nahrung und Einkommen für über 3,5 Milliarden Menschen weltweit. Trotz dessen stehen sie kurz vor dem Kollaps und 93% der weltweiten Fischbestände gelten als überfischt oder gefährdet.

Verantwortlich dafür sind unter anderem rücksichtslose Schiffsbetreiber, die ohne Lizenzen in Schutzgebiete eindringen, und verbotene Mittel nutzen, um Jagd auf geschützte Arten zu machen. Sie stehlen damit von den Ärmsten der Welt, zerstören vor dem Aussterben bedrohte Fischpopulationen und bedrohen die Artenvielfalt unserer Ozeane.


Was die genaue Problematik hinter illegaler Fischerei ist, wie sie bekämpft wird und welche Rolle Deutschland hierbei spielt, werden wir in diesem Artikel genauer erklären.






Was genau versteht man unter illegaler Fischerei?


Illegale Fischerei wird unter anderem unter dem Begriff „IUU“ zusammengefasst.


  • Das „I“ steht hierbei für „Illegal“ und heißt dass Fischer ohne Lizenz fischen, und sich nicht an die entsprechenden Quoten halten oder in gesperrten Gebieten wildern.

  • Das erste „U“ steht für „unreguliert“ und bedeutet dass gewisse Fanggeräte oder Fangmethoden nicht den Regularien entsprechen, die in der Region gelten.

  • Das zweite „U“ steht für „undokumentiert“, und bedeutet wie der Name schon sagt, dass die Fänge in keiner Statistik auftauchen. Legale Fischer sind dazu grundsätzlich verpflichtet und nur durch die Dokumentation sind Kontrollen möglich, um das Fischereimanagement im Gleichgewicht zu behalten.


Es wird geschätzt, dass knapp ein Drittel der Weltfischerträge, also 26 Millionen Tonnen jährlich aus IUU-Fischerei stammen. Das entspricht einem jährlichen Wert von 8,6 bis 19,8 Milliarden Euro. Illegale Fischerei existiert schon eine lange Zeit und kommt besonders häufig in lukrativen Fischereien wie beim Schwertfisch, Thunfisch oder auch dem schwarzen Seehecht vor. Größtenteils wird sie dort durchgeführt wo die Wahrscheinlichkeit niedrig ist erwischt zu werden und der entsprechende Küstenstaat nicht die nötigen Mittel besitzt, um das Verbrechen zu verfolgen.




Warum gibt es IUU-Fischerei?


Illegale Fischerei ist besonders attraktiv, da man weder Abgaben noch Steuern auf seine Fänge zahlt. Des Weiteren kommt sie so häufig vor, weil ein Großteil der illegalen Fischerei ungestraft bleibt. Aufgrund dessen wird oftmals dort illegal gefischt wo sich der entsprechende Staat keine richtige Fischereiaufsicht, wie in beispielsweise Europa leisten kann.


Das ist vor allem problematisch, da oftmals Entwicklungsländer betroffen sind, die unter Korruption, unklaren Gesetzgebungen oder mangelnder Durchsetzung leiden. Die westafrikanische Fischereikommission zählt die Ursachen der IUU-Fischerei unter anderem so auf:

  • Den Behörden fehlt es an gut ausgebildeten Fachkräften.

  • Die Behörden sind kaum motiviert in Aufsichtspersonal zu investieren, da finanziell schwache Staaten andere Prioritäten setzen.

  • Die Fachkräfte sind schlecht bezahlt und häufig bestechlich. IUU-Fischer nutzen das aus und zahlen Schmiergeld.

  • Überwachungsboote und -flugzeuge sind teuer, sowohl in der Anschaffung als auch in Unterhalt und Wartung. Zudem lässt sich eine wirksame Fischereiaufsicht nur dann realisieren, wenn Schiffe und Flugzeuge auch eingesetzt werden. Häufig aber sind sie aus Mangel an Treibstoff oder Ersatzteilen nicht einmal betriebsbereit.




Die Problematik hinter illegaler Fischerei


Mit das größte Problem der illegalen Fischerei ist die Überfischung der Ozeane. Da die Fischerei nicht dokumentiert wird, ist es für Forscher und Experten wesentlich schwerer einzuschätzen wie es um die weltweiten Fischbestände steht, weswegen die IUU-Fischerei nicht in Statistiken einfließt. Genau deswegen ist sie so gefährlich und in der Lage die nationalen und regionalen Bemühungen zur nachhaltigen Fischerei und der Erhalt der biologischen Vielfalt zu untergraben.


Dies wird vor allem deutlich wenn IUU-Fischerei in geschlossenen Zeiträumen oder Gebieten stattfindet. Dabei werden oftmals Jungfische befischt oder es wird sich an gefährdeten Beständen vergriffen. Ein gutes Beispiel hierfür ist der Rote Thun im Mittelmeer, der in so einem großen Ausmaß überfischt wird, dass der Bestand schon bald vom Aussterben bedroht ist.


Die Schäden gehen außerdem weit über die direkten Schäden an Fischbeständen hinaus. Ökosysteme und Lebensräume im Ozean werden ebenfalls extrem gefährdet. Oftmals führt der Einsatz illegaler Fangmethoden dazu, dass ein hoher Anteil von Beifang zustande kommt, der nicht überlebt und anschließend wieder im Wasser landet. Dabei handelt es sich nicht nur um Fische, sondern auch andere Arten wie Vögel oder Schildkröten, weswegen das Fischen in Schutzgebieten irreversible Schäden verursacht und auch beispielsweise Ökosysteme wie Korallenriffe gefährdet.


Neben den ökologischen Schäden trägt die IUU-Fischerei auch zahlreiche ökonomische negative Folgen mit sich. Durch den illegalen Fischfang werden den Fischern, die sich an die Vorschriften halten wichtige Ressourcen gestohlen, die sich auf einen Wert von 10 Milliarden Euro jährlich belaufen. Dieses Problem hat sich in den letzten Jahren der Globalisierung immer weiter verschärft, da sie zu einer Steigerung der Fischereierzeugnisse geführt hat, deren Legalität verhältnismäßig extrem schwer nachzuweisen ist.


Vor allem betroffen sind die Küstenbewohner in Entwicklungsländern, für die die Fischereierzeugnisse von großer Bedeutung sind. Die IUU-Fischer nutzen die nicht vorhandenen Mittel und Kapazitäten der Staaten für sich, um ohne Genehmigung zu Fischen und Ressourcen zu plündern, die für die dort lebenden Menschen überlebenswichtig sind. Besonders groß ist dieses Problem in Afrika, wo die Verluste der IUU-Fischerei auf bis zu 800 Millionen Euro jährlich geschätzt werden, und die Bewohner ohnehin schon mit Armut zu kämpfen haben.




Wie bekämpft man sie?


Im Kampf gegen die IUU-Fischerei spielt vor allem die Politik eine große Rolle. Bis heute wurden zahlreiche EU-Verordnungen verabschiedet, die gegen eine kontrolliertere Fischerei vorgehen sollten. Die bisher stärkste und einflussreichste Verordnung wurde 2010 verabschiedet und gilt weithin als die ehrgeizigste Vorschrift ihrer Art. Dabei geht es um die Prävention, Bekämpfung und Unterbindung der illegalen, nicht gemeldeten und unregulierten Fischerei.


Bestandteil der Verordnung ist unter anderem dass Schiffe vor dem Anlegen ihre Ware melden müssen und anschließend Fanglizenz, Fangerlaubnis, Fangzertifikat und Logbuch kontrolliert werden. Fehlt eins der genannten Dokumente darf das Schiff nicht anlegen und es muss einen Hafen außerhalb der EU ansteuern.


Seit der Einführung hat sich die Verordnung als extrem wirkungsvoll gegen die Bekämpfung erwiesen, und konnte einen großen Beitrag dazu leisten, illegal gefangenen Fisch vom EU-Markt fernzuhalten. Global sorgt sie für positive Veränderungen von Fischereiverfahren und treibt das Ziel einer nachhaltigen Industrie voran.


Deutschlands Rolle im Kampf gegen illegale Fischerei


Deutschland spielt eine zentrale Rolle im Kampf gegen IUU-Fischerei, da es weltweit das siebtgrößte Einfuhrland für Fischereierzeugnisse mit einer jährlichen Wachstumsrate von 8,2% ist. Jährlich werden circa 370.000 Tonnen Fisch importiert, was EU-weit dem drittgrößten Volumen entspricht.


Gerade deswegen ist es so wichtig, dass die Bundesregierung für die Kontrollen zusätzliche Ressourcen einsetzt, um für ein gründliches Prüfverfahren zu sorgen, um die Einfuhren von IUU-Erzeugnissen zu vermeiden und die illegale Fischerei zu bekämpfen.


Ein Rechtsgutachten ist jedoch zum Ergebnis gekommen, dass Deutschland bislang den IUU-Pflichten zur Kontrolle von Fangbescheinigungen nur unzureichend nachkommt und gegen EU-Recht verstößt. Im Hinblick auf Deutschlands große Bedeutung als Importeur muss hier also dringend nachgebessert werden, um zu verhindern dass Deutschland zum Eingangstor für IUU-Fischerei wird.


Die bisher größte gefasste Flotte an IUU-Fischerbooten


Um euch nicht in Panik zu versetzen:


Die IUU-Fischerei ist heutzutage ein gigantisches globales Problem. Die Fischmengen die illegal gefangen, und nicht gemeldet werden sind riesig. Trotz dessen scheint die schlimmste Phase bereits überwunden zu sein. Am stärksten war die IUU-Fischerei Mitte der 1990er Jahre ausgeprägt, weil damals noch keine intensiven Kontrollen durchgeführt worden. Mit der Zeit hat auch die staatliche Kontrolle gegen die illegale Fischerei zugenommen. Dennoch wird auch heutzutage noch ein riesiger Teil der weltweiten Fänge illegal durchgeführt, der zum Glück jedoch immer geringer wird, da Verschärfungen wie die EU-Verordnungen ihren Teil dazu beitragen unsere Meere vor der Überfischung zu schützen.






Quellen:


-https://ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/de/MEMO_07_412

-https://www.wwf.de/themen-projekte/meere-kuesten/fischerei/illegale-fischerei

-https://worldoceanreview.com/de/wor-2/fischerei/die-illegale-fischerei/

-https://de.wikipedia.org/wiki/Illegale_Fischerei#Problematik

-https://ejfoundation.org/de/was-wir-tun/ozeane/illegale-fischerei

-https://www.fishforward.eu/de/project/illegale-fischerei/

-https://www.wwf.de/fileadmin/user_upload/IUU-Themenpapier-Deutschland-Mai-2016.pdf

-https://ec.europa.eu/germany/news/cura%C3%A7ao-und-salomonen-erfolg-im-kampf-gegen-die-illegale-fischerei_de

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