• Julian Hallet

Pflanzliche Ersatzprodukte oder das tierische Original - was ist besser?

Updated: Oct 29

Um diese Frage zu beantworten, müssen wir "besser" erst einmal definieren. Besser für deine Gesundheit? Besser für die Umwelt? Besser für das Wohl der Tiere? Besser für alle sollte die Antwort idealerweise lauten. Aber ist das überhaupt möglich?


Zeit Klarheit zu schaffen. Daher werde ich in diesem Artikel auf die wichtigsten Aspekte eingehen, welche du berücksichtigen solltest, wenn du ein "besser für alle" möchtest.





Warum brauchen wir Tierersatzprodukte?


In den vergangenen Jahrzehnten ist das Thema Klimaschutz immer präsenter geworden, und die Bevölkerung hat ein größeres Bewusstsein dafür entwickelt, dass sich etwas ändern muss (an dieser Stelle möchte ich wärmstens die Netflix Doku "Mein Leben auf unserem Planten" von David Attenborough empfehlen). Folge dessen war auch, dass immer mehr Menschen ihre Ernährung umstellten und sich vegetarisch oder vegan ernährten. Doch was haben Zuchttiere und dementsprechend Tierersatzprodukte mit dem Klimaschutz zutun?


Zuchttiere sind mit 15% für einen signifikanten Anteil der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich und tragen somit zur Klimaerwärmung bei. Wirft man einen genaueren Blick auf die Nachhaltigkeitsaspekte die im Zusammenhang mit Massentierhaltung stehen, fällt auch auf, dass mittlerweile unsere Ökosysteme gefährdet sind. Ein Umstieg auf eine pflanzliche Ernährung kann daher bspw. helfen die Abholzung des Regenwaldes zu stoppen oder auch das Problem der weltweiten Überfischung zu lösen. Derzeit sind bereits bereits 33% unserer Meere überfischt, was in naher Zukunft ein enormes Problem darstellen wird, wollen wir unsere Artenvielfalt behalten.





Zudem bieten pflanzliche Produktalternativen auch gesundheitliche Vorteile gegenüber tierischen Produkten. Burger-Alternativen sind beispielsweise cholesterinfrei und besitzen oft weniger Kalorien und gesättigte Fettsäuren. Ein zu hoher Fleischkonsum fördert außerdem die Entstehung von Diabetes sowie Blutdruckerhöhung und wird mit dem Auftreten einiger Krebserkrankungen in Verbindung gebracht. So ist es keine Überraschung, dass in zahlreichen Studien nachgewiesen wurde, dass der regelmäßige Verzehr von rotem Fleisch das Sterblichkeitsrisiko verdoppelt. Die Fleischqualität aus Massentierhaltung ist zudem miserabel, da die Tiere meist unter katastrophalen Umständen gehalten werden, und ihnen Mittel wie Antibiotika verabreicht werden, die die Ausbreitung von Krankheiten vorbeugen sollen.


Auch Milch steht leider nicht viel besser dar. Neben den positiven Inhaltsstoffen wie Calcium, Vitamin B2 und B12 und Eiweiß, besitzt diese auch wesentlich ungesündere Inhaltsstoffe. Dazu zählen Cholesterin, Natrium oder auch trans-Fettsäuren die mit der Entstehung von Krebs, Übergewicht, und Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung gebracht werden. Da es sich bei Kuhmilch um Kalbnahrung handelt, die das Ziel hat ein schnelles Wachstum zu bezwecken, sind in ihr zahlreiche Wachstumsfördernde Substanzen enthalten. Das Wachstumshormon IG-1 steht beispielsweise im Zentrum der Krebsforschung und kann zur Tumorbildung bei Menschen beitragen.



Aber sind pflanzliche Ersatzprodukte wirklich besser?


Ein Großteil der Konsumenten assoziiert das Wort "Vegan" automatisch mit gesund, was jedoch oftmals nicht gerade der Fall ist. Genau wie in den tierischen Produkten können sich auch hier etliche ungesunde Zusatzstoffe wie Geschmacksverstärker oder Konservierungsstoffe wiederfinden lassen, welche zur besseren Konsistenz, Haltbarkeit oder einem besseren Geschmack beitragen sollen. Dazu zählen auch ungesättigte Fettsäuren. Zudem enthalten Ersatzprodukte nicht zu selten Unmengen an Zucker, der zu Übergewicht und Diabetes führen kann. Teilweise wird sogar Methylcellulose eingesetzt, was unter anderem in Tapetenkleister enthalten ist.


Deswegen ist es extrem wichtig beim Kauf sowohl auf die Länge der Zutatenliste sowie die Natürlichkeit der Zutaten, als auch auf die Nährstoffangaben zu achten. Wirft man einen genauen Blick auf manche Tierersatzprodukte, fällt dabei sogar oftmals auf, dass die Alternative mehr Kalorien besitzt als das Original, was unter anderem mit den teils ungesunden Inhaltsstoffen in Verbindung steht. Einige Alternativprodukte verwenden beispielsweise statt dem gesund geltenden Rapsöl, billiges Palmfett, was nun mal gar nicht mit der Intention pflanzlicher Ersatzprodukte einhergeht. Außerdem sollte ein gutes Ersatzprodukt neben dem Geschmack ähnliche Nährwerte wie das Produkt haben, welches es ersetzen soll und auch das ist bei Weitem nicht die Regel.


Mittlerweile gibt es zahlreiche Alternativen für tierische Produkte, die sowohl optisch als auch geschmacklich mit dem Original mithalten können. Doch sind solche Produkte wirklich ein gleichwertiger Ersatz? Schauen wir uns die verschiedenen Produktkategorien doch mal ein wenig genauer an:



Milch und Milchprodukte 🐄


Beginnen wir mit dem Klassiker und zugleich größtem Segment. Kuhmilch ist das meistgenutzte Tierprodukt in Mitteleuropa, was unter anderem an der Vielfältigkeit des Produktes liegt. Daher ist es kein Wunder, dass es mittlerweile besonders viele Alternativen in diesem Segment gibt. Ob aus Reis, Erbsen, Hafer, Hanf, Soja, Kokos, Cashews oder Mandeln - die Auswahl ist enorm und auch das Nährstoffprofil der meisten Produkte lässt sich sehen. Mandelmilch zum Beispiel gilt als gute Mineralienquelle, da sie viel Magnesium und Kalzium enthält. Hanfmilch ist reich an Omega-3-Säuren, die gut für das Herz sind und den Cholesterinspiegel senken. Hafermilch hingegen enthält zwar viele Kohlenhydrate, liefert aber auch verschiedene Mineralien wie Kupfer und Mangan. Hier sollte also wohl für jeden etwas dabei sein. Für alle Varianten gilt jedoch, dass man gesüßte Produkte möglichst vermeiden sollte, da diese etwas ungesünder sind.




Eier 🍳


In dieser Produktkategorie gibt es derzeit nur eine kleine Auswahl an Produkten, welche zudem leider noch nicht in Europa erhältlich sind. Ein erfolgreiches Beispiel ist JustEgg, ein Eiersatzprodukt aus der Flasche (bestehend aus Mungobohnen) mit vergleichbarem Proteingehalt, das unter anderem noch die Vorteile bietet, dass es cholesterinfrei ist und keine gesättigten Fettsäuren enthält. Darüber hinaus arbeitet das Startup Les Merveilloeufs an einem Ei in Schale, was dem Original in jeder Hinsicht gleichen soll. Wir sind sehr gespannt, wie sich dieses Segment zukünftig entwickeln wird!




Fleisch 🍗


Egal ob Dönerfleisch, Fried Chicken, Steak aus dem 3D Drucker oder Burger Patties die sogar "bluten" - die meisten Klassiker gibt es mittlerweile als pflanzliche Alternative. Da Fleisch für gewöhnlich gebraten und gewürzt wird, ist es geschmacklich besonders leicht zu ersetzen. Wird es dann noch mit Soßen oder als Fastfood angeboten, sind die Unterschiede minimal. Ein gutes Beispiel hierfür ist der Burger von Impossible Foods, der aufgrund von Soja Leghemoglobin aka "Heme" einen besonders fleischigen Geschmack vorweist, reich an Protein ist und es damit scheinbar mühelos in den globalen Mainstream geschafft hat. Jede Burgerkette in Amerika hat mittlerweile eine pflanzliche Alternative zum klassischen Burger und es ist nur eine Frage der Zeit bis sich dieser Trend lückenlos in der Gastronomie durchsetzen wird.




Das beste zum Schluss ;) - Fisch und Meeresfrüchte 🍤


Unser Produkt, die Happy Ocean Garnele sollte in diesem Artikel natürlich auch nicht zu kurz kommen. Leider gibt es uns jedoch derzeit noch nicht im Einzelhandel zu kaufen, was sich aber im nächsten Jahr ändern soll. Der Markt für Fischersatzprodukte ist sehr stark am wachsen und es werden sich zeitnah daher sicherlich immer mehr Produkte im Einzelhandel finden lassen. Mittlerweile gibt es schon einige Unternehmen wie bspw. Good Catch Foods, die authentische Ersatzprodukte wie Thunfisch herstellen, der auf Bohnen, Kichererbsen und Algen basiert. Aber auch Pulled Salmon oder als Lachs als Filet aus dem 3D-Drucker sind auf dem Vormarsch. Da der deutsche Markt für Plant-Based Fish & Seafood noch am Anfang steht, gibt es bis auf Fischstäbchen bisher leider keine wirklich guten Alternativen zu kaufen. Aber dies wird sich im nächsten Jahr definitiv ändern!





Wie du siehst gibt es eigentlich keine Ausreden mehr sich nicht überwiegend pflanzlich zu ernähren. Hierbei sollten Ersatzprodukte jedoch nicht uneingeschränkt konsumiert werden, da es sich um weiterverarbeitete Lebensmittel handelt. Bohnen, Linsen und sonstige Hülsenfrüchte sind immer noch natürlicher und sollten daher überwiegend bevorzugt werden. Schau dir als Inspiration beispielsweise einfach mal die indische Küche an - alles super lecker und das hauptsächlich mit Hülsenfrüchten und Gewürzen!



Unser Fazit: Die Menge macht den Unterschied


Tierische Produkte in hochwertiger Qualität sind für deine Gesundheit grundsätzlich in Ordnung - aber eben nur in Maßen. Pro Woche sollte man nicht mehr als 200g Fleisch zu sich nehmen, um im gesundheitlichen Rahmen zu bleiben. Im Schnitt verzehrt jeder Deutsche jedoch leider das Vier- bis Fünffache. Die ethischen Hintergründe sind dir selber überlassen, genauso wie die ökologische Verantwortung die du als Individuum trägst. Unter dem Aspekt "besser für alle" sollte der Konsum von tierischen Produkten, wenn überhaupt, eher eine Ausnahme für dich sein und nicht auf der Tagesordnung stehen.


Pflanzliche Ersatzprodukte können dir den Umstieg auf eine vegetarische oder vegane Ernährung wesentlich vereinfachen und sind insbesondere aus ethischen sowie ökologischen Gesichtspunkten den tierischen Produkten gegenüber zu bevorzugen. Trotzdem tragen die Alternativprodukte nicht unbedingt zu einer gesünderen Ernährung bei, da auch hier die Menge und Qualität ausschlaggebend ist. Daher lässt sich festhalten: allen wäre schon viel geholfen, wenn jeder von uns mehr Wert auf eine hochwertige, vollwertige, ausgewogene und im besten Fall überwiegend pflanzliche Ernährung legen würde.





Quellen:


- https://www.vegpool.de/magazin/tierprodukte-ersetzen.html

- https://www.peta.de/gute-gruende-fuer-fleischalternativen

- https://proveg.com/de/ernaehrung/pflanzliche-alternativen/fleischersatz-vegane-fleischalternativen/

- https://proveg.com/de/5-pros/gesundheit/ist-milch-gesund/

- https://praeventivunterwegs.de/vegetarische-ersatzprodukte-ein-fluch-oder-ein-segen/

- https://www.focus.de/gesundheit/ernaehrung/vegan_und_vegetarisch/essen-wie-aus-dem-chemiebaukasten-tofu-burger-soja-schnitzel-so-ungesund-ist-veganer-fleischersatz_id_5296624.html

-Oatly: https://images.app.goo.gl/wN5jVwVa4BmkwT8S9

-JustEgg: https://images.app.goo.gl/b8pZLjj58NMC9u8N7

-Impossible Foods: https://images.app.goo.gl/fWXLTubcpYzC5mDEA



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