• Robin Drummond

Können wir bis 2050 wirklich 10 Milliarden Menschen ernähren?

Updated: Jul 20

Wir wollen das Lebensmittelsystem umkrempeln und als Startup innovative und nachhaltige Impulse setzen. Das Lebensmittelsystem ist massiv, komplex und vielschichtig. Nicht einfach, da den Überblick zu behalten und tief einzusteigen.


Fangen wir doch heute mal mit dieser Fragestellung an, der in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft absolut zurecht große Aufmerksamkeit geschenkt wird.


10 Milliarden Menschen. Eine große Zahl, die ich selbst schon oft in Pitches vor potentiellen Partnern & Investoren oder auch in Gesprächen mit Freunden zitiert habe. Ich möchte dieser Zahl kurz ein wenig Kontext geben.



Im Jahr 1800 hat die Weltbevölkerung das erste Mal eine Milliarde geknackt


Die Weltbevölkerung ist in den letzten Jahrzehnten extrem angestiegen. Das war aber nicht immer Fall. Es hat bis 1800 gedauert bis wir die 1.000.000.000-Marke das erste Mal geknackt haben. Erst 1927 haben wir zwei Milliarden erreicht. Seit dem gab es kein Halten mehr und die Bevölkerung ist förmlich explodiert. Aktuell liegt sie bei 7,8 Milliarden. Dieser Bevölkerungsanstieg hat vor allem mit der landwirtschaftlichen Revolution zu tun.


2050 werden 10 Milliarden Menschen auf der Erde leben. Jede Minute werden auf der Welt fast 160 Menschen geboren.



Wie sollen diese Menschenmassen ernährt werden?


Nach Schätzungen müssen dafür 60 bis 70 Prozent mehr Lebensmittel produziert werden.


Doch schon jetzt ist die Lebensmittelwirtschaft für 30 Prozent der Treibhausgase verantwortlich, für 70 Prozent des Wasserbrauchs und für 25 Prozent der genutzten Energie. Traurig ist außerdem, dass 30 Prozent der produzierten Lebensmittel als "Food Waste" in der Tonne landen.


Es wird also Zeit, dass wir Lösungen finden, die diese Problematik nicht weiter verschärft. Und nicht nur das. Auch das bestehende Lebenssystem muss unbedingt nachhaltiger, gesünder und transparenter werden.



1) Landwirtschaft optimieren, aber bitte nachhaltig(er)


Ein Ansatz ist es für eine nachhaltigere Landwirtschaft zu sorgen. Das wird von Wissenschaftlern anhand der planetaren Grenzen berechnet. Wenn diese Grenzen überschritten werden, wird die Stabilität des Ökosystems der Erde gefährdet.

Vier planetare Grenzen sind ausschlaggebend für eine nachhaltige Landwirtschaft.

  1. Integrität der Biosphäre: Die Artenvielfalt wird durch die Art der Anbaumethoden gefährdet.

  2. Veränderung der Landnutzung: Zu viel Land wird für die Tierhaltung und Nutzpflanzen verwendet.

  3. Süßwasser: Die Lebensmittelproduktion verbraucht viel zu viel Wasser.

  4. Nutzung von Kunstdünger: Das Land wird zu stark künstlich gedüngt.


Damit mehr als zehn Milliarden nachhaltig ernährt werden können, müsste man also den Umgang mit Süßwasser, Dünger, Land und Ökosystemen drastisch verändern. Lösungen hierfür können technologischer Natur sein, die zu einer höheren Effizienz und beispielsweise Wassereinsparungen führen, aber auch die Politik muss entsprechende Regularien treffen.


Wenn wir nur innerhalb der planetaren Grenzen produzieren würden, dann könnten nur 3,4 Milliarden Menschen davon leben. 50 Prozent unserer Nahrungsmittelproduktion geschieht also auf Kosten der Umwelt.



2) Weniger Fleisch, Fisch und Milchprodukte essen


Aber natürlich sind es auch die Konsumenten selbst und wie so oft jeder Einzelne, der etwas tun kann. Schauen wir uns mal Deutschland an, um es etwas konkreter zu machen und nicht in großen globalen Zahlen zu sprechen. Deutschland nutzt etwa 22 Millionen Hektar Fläche für Landwirtschaft. Davon wird auf 70 Prozent Futtermittel für Tiere angebaut.


Hier zwei Fakten, die man sich mal wirklich zu Gemüte führen sollte:

  1. Würde die gesamte Getreideernte weltweit zu Nahrungsmitteln verarbeitet und gar nichts mehr zu Futtermitteln für Rinder, Schweine oder Geflügel, dann könnten vier Milliarden Menschen mehr ernährt werden.

  2. Würden Menschen kein Fleisch, aber noch Milchprodukte und Eier essen, könnten 815 Millionen Menschen mehr satt werden.


Es ist eigentlich ganz einfach. Die Fleischproduktion ist nicht effektiv genug, um den Bedarf zukünftiger Generationen zu decken. Die natürlichen Ressourcen der Erde reichen dafür nicht aus. Das heißt im Klartext. Wir müssen weniger davon essen. Auch die Fischproduktion ist in den letzten Jahren stark angestiegen. Die Meere sind überfischt. Fische aus Aquakulturen bekommen ebenfalls riesige Mengen an Fischfutter. Beides hat starke negative Auswirkungen auf unsere Umwelt.



3) Auf Future Food wie Algen, Insekten oder Fleisch aus Stammzellen setzen


Algen sind schon in ungefähr 70 Prozent aller Lebensmittel enthalten. Wir wissen es nur nicht. Es gibt 400.000 Algenarten auf der Welt. Sie gehören zu den am schnellsten wachsenden Organismen, verbrauchen kein Stück Agrarfläche und sind Mikronährstoffbomben. Bisher werden lediglich 200 Arten in Lebensmitteln verwendet, weshalb hier noch enormes Potential besteht.


Auch Insekten sind Vorreiter in den westlichen Ländern für das Thema neue Proteinquellen, um Alternativen für die Fleisch-, Milch-, und Fischproduktion zu bieten, bei denen wir die Ressourcen überstrapazieren.


Aktuell gibt es Forschungen zur Züchtung von Fleisch aus Stammzellen, auch in-vitro Fleisch genannt. Damit könnte man in Zukunft Fleisch ersetzen und hätte auf einen Schlag viele negativen Konsequenzen von Fleisch reduziert. Die Forschung steht aber noch weit am Anfang.



Das war nur ein kleiner Auszug der möglichen Szenarien und Lösungen. Die Ideen sind da. Wichtiger ist es ein breites Bewusstsein in den Köpfen jedes Einzelnen zu schaffen, sich an der eigenen Nase zu packen und die Ideen auch umzusetzen.


Niemand kann die Welternährung im Alleingang sicherstellen. Es braucht aufgeklärte Menschen, gemeinsame Initiativen und wirtschaftliche & politische Akteure. Ich glaube auch fest an unternehmerische Lösungen und Startups, die einen Wandel anstoßen können. Wir glauben, dass jeder Einzelne einen Unterschied machen kann. Dein Verhalten wird dein direktes Umfeld beeinflussen. Das wird größere Wellen schlagen.


Happy Ocean Surfer wissen, Wellen kommen immer im Set.

Let's make some waves.









  • Instagram
  • LinkedIn